Die Strasse des Apfels im Mantuanischen Gebiet

Zwischen Bio-Äpfel und alte Kulturen

Zwischen Bioapfel und Antikem Anbau

 

Hinter unserer Entdeckungsreise steckt das so genannte Oltrepo` Mantovano (über den Mantuanischen Po-Fluss), das seit langer Zeit sehr erfahren ist im Anbau von Obst. In den letzten Jahren war eigentlich die Birne erfolgreicher, da sie das Gütezeichen g.g. A. (geschätzte geographische Angabe) von der EU erhalten hat, im Gegensatz dazu kann sich aber der Apfel einer antikeren Tradition rühmen.

In dieser Gegend schlugen einige Bauernhöfe einen alternativen Weg ein und statt einen kommerziell einfachen, makellosen und schönen Apfel herzustellen, produzierten sie eine qualitativ hochwertige Frucht in Verbundenheit mit dem Land. Es scheint so, als sei dies der einzige Weg um mit den Obstbauern aus Trient konkurrieren zu können. Doch auch die Absatzmenge und durchdachte Werbung für das Produkt sind unerlässlich.

Die Bauern aus unserer Gegend bieten eine sehr hochwertige Qualität an, die auf einem achtungsvollen Umgang mit der Umwelt, Respekt für den Verbraucher und antiken Traditionen der eigenen Urgroßeltern basiert. Dadurch können wir heute noch Äpfel finden, die in den antiken Bauernhöfen zu finden waren.

Diese Sorten Äpfel haben sehr wenig gemeinsam mit dem heutigen Angebot am Markt; im Supermarkt würden sie sicher skeptisch begutachtet werden, ganz im Gegenteil zu den "heutigen" Äpfeln.

Die Bio-Äpfel passen sich den landwirtschaftlichen Bedingungen sehr viel besser an, sie sind weniger krankheitsanfällig und besitzen viel mehr wichtige Inhaltsstoffe, wie Mineralstoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe - also ein Schatz, den es zu bewahren gilt. In diesem Sinne ist Bioanbau der einfachste und natürlichste Weg, Landwirtschaft zu betreiben, genauso, wie es schon seit Jahrtausenden gemacht wird.

Der Schutz der traditionellen Sorten ist wichtig für die Rückbesinnung auf die Vergangenheit und die antiken Landschaften, die heute durch akkurate und symmetrische Obstanbauten ersetzt wurden. Wir könnten uns kaum vorstellen ein traditionelles Kochrezept wie Mostarda*, statt mit unseren "mele campanine"**, mit modernen Äpfeln zuzubereiten.

* Mostarda Rezept finden Sie am Ende dieses Schreibens **Mele Campanine sind eine bestimmte Sorte Äpfel, die ziemlich klein und ungleichmäßig aussehen.

Ein Bisschen Geschichte

Wie allgemein bekannt, hat der Apfelanbau eine sehr altertümliche Herkunft; er war schon bei den Griechen bekannt und breitete sich während des römischen Reiches aus. Wichtige Autoren wie Plinio und Varrone beschreiben uns verschiedene Sorten. Äpfel sind auch in literarischen Werken und auf Gemälden zu finden. Während vieler Jahrhunderte wusste man nicht viel über richtigen Obstanbau. Er wurde nur in den Gärten von Abteien oder von adligen Familien betrieben, hierbei wurde das Obst als Lebens- und Heilmittel verwandt.

Diese Obstpflanzen wurden von den früheren Herrschaften mehr als wertvolle botanische Sehenswürdigkeit zu Ausstellungs- und Studienzwecken betrachtet. So bestellte zum Beispiel Cosimo III De` Medici bei Bartolomeo Bimbi, einem bekannten Maler dieser Zeit aus Florenz, ein Gemälde, auf dem verschiedene Sorten von Äpfeln zu sehen waren - die meisten davon haben wir heute vergessen. Es gibt viele Zeitgenossen, vor allem während der Renaissance, die in Ackerbauabhandlungen vom Obstanbau berichten, wobei viel Gewicht auf die natürlichen Eigenschaften gelegt wird.

Der Mantuaner Giovanni Battista Fiera, Arzt, Philosoph und Theologe (1450-1540) beschreibt uns in seiner Abhandlung "Coena" die Qualitäten von Apfel und Quitte: "sie sind aus vielen Sorten....tun dem heißen, aufgeregten Herzen gut, sind aber für den Bauch sowie auch für die Nerven schädlich....., die Quitte getrocknet und etwas gekühlt tut dem Bauch gut"

Auch in der Gegend in und um Mantua gab es anscheinend in antiken Zeiten nicht sehr viel Obstanbau. Nach und nach wurde es mehr, um den Eigenbedarf zu decken. Obst wurde in den Landwirtschaften und innerhalb der Stadtmauern kultiviert. In den antiken Obstplantagen, die für mehrere Monate den Verbrauch der Familie decken mussten, hätten wir sicher Apfelbäume der Sorten Campanina, Decio und Cotogna gefunden.

In San Benedetto Po, in der Polireone Abtei, gab es Zimmer, die für die Lagerung des Obstes geeignet waren, die so genannten "Fruttarie". Das Obst stammte mit Sicherheit von den Höfen die unter der Gerichtsbarkeit der Mönche standen. Im Jahre 1475 finden wir im Garten in San Giacomo delle Segnate "Pere Cotogni, Feigen, Kirschen, Corbella, Mispel und Moscatella Trauben".

Auch im Garten des Gonzaga-Hofes gab es immer Obstbäume. Es ist anzunehmen, dass die Herren aus Mantua sehr an den verschiedenen und seltenen Sorten interessiert waren, wie es einige Briefe von Isabella d`Este zeigen, die sich selbst um das Auffinden der Pflanzen kümmerte. Um dem eigenen Wohnsitz mehr Wert zu verleihen, sammelten die Gonzagas nicht nur Kunstwerke,sondern auch viele verschiedene Sorten von Obstbäumen.

Äpfel fehlten nie auf deren Tisch, man hat es als ein wertvolles und luxuriöses Erzeugnis geschätzt, auch wegen des nicht einfachen Konservierens. Vor allem die Quitten waren sehr gut für Konserven geeignet. Isabelle d`Este war anscheinend ganz versessen auf "Codognata". Diese Früchte wurden sogar zum Parfümieren der Bettwäsche benutzt. Bei den großen Banketten der Gonzagas wurde das Obst auch als Tischdekoration verwendet und für die Herstellung von verschiedenen Gerichten benutzt.

Davon erzählt uns wieder Bartolomeo Stefani, der berühmteste Koch der Gonzagas, im Buch "L`arte di ben cucinare" (die Art gut zu kochen). Wenn wir dieses wertvolle Kochbuch durchblättern, finden wir viele Apfeltorten und Gerichte, bei denen diese Frucht als Zutat benutzt wurde. Besonderes Interesse an diesen Saison-Früchten zeigte auch der Marquise Federico der II, wie den Briefen an den Gärtner des Herzogs von Ferrara zu entnehmen ist.

Auch auf den Tischen der Herren von Ferrara fehlte nie Obst. Giovanni Battista Rossetti berichtet, dass während der zweiten Hochzeit von Alfonso dem II " Pome Rose und Pome Paradise, Birnen Garavellen und Bergamotte......." angeboten wurden.

Verlassen wir jetzt den Prunk des Gonzaga-Hofes und wenden wir uns den antiken Bauernhöfen der Oltrepo` Mantuas zu. Hier wurden sicher keine großen Bankette organisiert und aus der Küche kamen nicht so ausgefeilte Gerichte. Obst wurde trotzdem angebaut und unsere fleißigen "Rasdore" (Hausfrauen) entdeckten, wie man dieses wertvolle Produkt konservieren konnte. Sie konnten sehr bald gute Marmelade und Mostarda zubereiten. Die Erde dieser Gegend war schon seit jeher sehr fruchtbar. Der Grund war die Urbarmachung, welche den Benedettins und den Gonzagas zu verdanken war. Die meisten Landwirte waren Kleingrundbesitzer und das war auch mit ein Grund, dass sich eine so wertvolle Zucht entwickeln konnte.

Giovanni Antonio Magini beschreibt uns diese Gegend sehr eindrucksvoll. Der Obstanbau wurde in den 30er Jahren des 19ten Jahrhunderts ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum unserer Gegend mit einer reichlichen Produktion von Äpfeln, Pfirsichen und Birnen. Der Apfel spielt heute ebenfalls noch eine wichtige Rolle, auch wenn er von der Birne verdrängt wurde. Das ist gerade in dieser Gegend der Fall, die sehr ländlich verwurzelt und reich an gastronomischen Traditionen ist.

Maestro Vanni Viviani wurde überaus vom Apfel inspiriert. Das zeigt er uns in seinem beeindruckenden Wohnsitz Ca` di Pom in San Giacomo delle Segnate, der heute ein wichtiges kulturelles Ausstellungszentrum ist. Dieser Bau stammt aus dem Jahr 700 und gehörte zum Schatz der adligen Familie der Arrigoni. Der Maestro legte Wert auf die Renovierung des antiken Teiles des Hauses und auf die Neubauten. Er hat die Villa "Ca di Pom" genannt, um dem geliebten Apfel zu huldigen.

 


Das Gute am Apfel

Es gibt ein berühmtes Sprichwort in Italien welches heißt "una mela al giorno toglie il medico di torno" das wortwörtlich so übersetzt werden kann "ein Apfel am Tag lässt den Arzt weg".

Wir wollen nicht behaupten, dass das unbedingt wahr ist, aber Äpfel sind auf jeden Fall sehr wichtig für unsere Gesundheit.Interessante Studien der Universität Ancona haben viele Inhaltsstoffe im Apfel entdeckt, die sich sogar günstig auf das Cholesterin auswirken.

Er hat sehr wenig Kalorien (etwa 40 kcal pro 100 gr) und enthält viele wichtige Mineralien, die für unseren Organismus wichtig sind, unter anderem Phosphor, Calcium und Zink. Er ist ebenfalls reich an Kalium und enthält sehr wenig Natrium. Dadurch hat er eine besonders harntreibende Wirkung und ist deshalb sehr gut bei Bluthochdruck geeignet.

Besonders die antiken Sorten sind reich an Vitamin C. Äpfel enthalten viele wichtige natürliche Inhaltsstoffe, die ihn besonders gut verdaulich machen. Dazu enthält der Apfel viele Faserstoffe, die für den Darm wichtig sind, weil sie eben auch das Cholesterin reduzieren. Er ist für Menschen geeignet, die an Zuckerkrankheit leiden. Vom Apfel wird man nicht dick und er hält uns jung.


Einige Antike Traditionelle Sorten von Äpfeln aus Mantua

Die traditionellen Sorten sind belastbarer und einfacher zu konservieren. Sie sind wertvoll für unseren Organismus, da Sie viele Vitamine und wichtige Substanzen enthalten.

Eine Sorte, die nie auf den Höfen der Gegend fehlte, waren die sogenannten Campanino, daraus wird die originale Mostarda hergestellt. Die Frucht ist klein, unregelmäßig geformt und die Schale ist grün mit roten Färbungen. Das Fleisch ist sehr fest, weiß und sehr aromatisch. Dadurch ist er sehr gut zum Kuchen backen geeignet. Es ist ein Apfel, der uns Mantuaner sehr mit unserer Vergangenheit verbindet. Unsere Großeltern lagerten ihn liebevoll den ganzen Winter über auf dem Speicher ein.

Ein noch antikerer Apfel ist der Decio, er ist bekannt für seine phantastischen Konservierungsmöglichkeiten. Er ist mittelgroß, rundförmig und ein bisschen platt, er hat eine glatte, grüne Schale, die während der Reifung gelbgrün wird, er ist süß, aromatisch und wohlriechend.

Auch Durello zeichnet sich durch seine Konservierungseigenschaften aus. Die Frucht ist mittelgroß, sehr platt und hat eine grüne Schale mit Punkten und roten Färbungen. Wenn er sehr reif wird, verfärbt sich die Schale strohfarben. Das Fleisch ist weiß, süß und aromatisch.

Der Cotogna ist ein saures Obst, die Schale ist haarig und gelb. Wenn Sie ihn roh essen, werden Sie nicht sehr davon überzeugt sein, doch einmal gekocht genossen ist er wirklich großartig: mit wenigen Zutaten verwandelt sich dieser Apfel in ein leckere Marmelade.

Die Erzeuger

Die Zucht von Äpfeln in der Mantuanischen Gegend geht neue Wege, die auf dem Respekt vor der Natur und den traditionellen Anbaumethoden beruhen.

Sie sollten einmal unsere Betriebe besichtigen. Wir erwarten Sie und veranschaulichen Ihnen gerne unsere biologische Philosophie, dass nicht nur makelloses und teures Obst bedeutend ist, sondern auch ein innovatives und trotzdem traditionelles Denken der Ackerbauern nicht zu unterschätzen ist.

Durch die große Freude am Beruf, durch Arbeit, Forschung und aus Erfahrung lernt man, was die besten Anbaumethoden sind. Es werden auch nur natürliche Substanzen verwendet. Auch beim biologischen Anbau muss die Sorte gewählt werden, die am besten gegen Krankheiten resistent ist. Es ist eine schwierige Aufgabe, doch die Bauern haben wunderbare Helfer wie Insekten und Vögel.

Sie werden bei Ihrem Besuch natürliche und sagenhafte Produkte mit einem erlesenen Geschmack aus den früheren Zeiten kosten. Bei den faszinierenden Geschichten von Herrn Alfredo Andreoli für große und kleine Menschen kosten Sie zum Beispiel einen vortrefflichen, klaren Apfelsaft. Sie werden bei ihm auch ca. 50 Sorten Äpfel entdecken, einige uralte wie Decio oder Annurca, andere mit komischen und lustigen Namen wie Limoncella und La Zitella. Der Betrieb wurde 1996 auf biologischen Anbau umgestellt. Er führt eine verwurzelte Tradition von Opa Alfredo weiter, der in den 30er Jahren begonnen hat, die ersten Birnen- und Apfelbäume zu pflanzen. Sie können dann noch Herr Leonardo Calzolari besuchen und seine Äpfel Florina und frisches Gemüse, ebenfalls biologisch angebaut, kaufen. Dann gibt es noch Herrn Giancarlo Fila, der seit 1992 Bio-Äpfel und Birnen züchtet und Professor Guidetti, der auf seinem Bauernhof einen antiken Obstgarten angelegt hat und dort Quitten und verschiedene Sorten Getreide produziert.


LISTE DER HERSTELLER

Azienda Agrituristica von Andreoli Alfredo Biohersteller via Argine, 68 - Schivenoglia Tel.: 0386-58205 - E-Mail: alfredo.andreoli@libero.it Verfügbarkeit an Obst: - Äpfel (September bis Juni) - Birnen (Juli bis Januar) - Pflaumen (Juni bis August) - Trauben (Herbst)

Az. Agr. ROB (Rasi Ortofrutta Biologica) von Rasi Andrea Biologischer Hersteller Via Bosco Scuro, 8 - 46040 Cavriana (Mn) Tel. und fax: 0376-82455 - E-Mail: rob@bioexpress.it Verfügbarkeit an Obst: - jedes biologische Obst und Gemüse der Saison, Ganzjährig geöffnet

Azienda Agr. Dall`Ara Lucia und Benfatti Daniela Via Caselle, 54, - Schivenoglia Tel.: 0386-58498 Verfügbarkeit an Obst: - Campanine-Äpfel (Oktober bis November) - Birnen (August bis September) - Pflaumen (September)

Corte Gelati von Leonardo Calzolari Biologischer Hersteller Via Brazzuolo, 72 - Schivenoglia Tel.: 0386-58363-586013 Verfügbarkeit an Obst: - Florina-Apfel (September) - Melone (Sommer) - Wassermelone (Sommer)

Giancarlo Fila Biologischer Hersteller Corte Cucca, via Giovanni XXIII - Schivenoglia Tel.: 0386-58201 Verfügbarkeit an Obst: - Äpfel (September bis Oktober) - Birnen (September bis Oktober) - Trauben (Herbst)

Azienda Agr. Barbieri Marco Biologischer Hersteller Viale Milazzo, 19 - Sermide Tel.: 0386-915270 - Fax 0386-915220 - E-Mail: biosole@biosole.it- Web: www.biosole.it Verfügbarkeit an Obst: - Äpfel (September bis Oktober) - Birnen (September bis Oktober) - Melone (Sommer) - Wassermelone (Sommer) - Erdbeeren (Frühling)

Guidetti Aldo Biologischer Hersteller Via Marconi, 71 - San Giacomo delle Segnate Tel.: 0376-616146 Verfügbarkeit an Obst: - Quitten und antike Sorten

Cenna Norina Via Canali, 3 - San Benedetto Tel.: 0376-614405 Verfügbarkeit an Obst: - Campanine-Äpfel, Decio, Durello Red Chef (ab August)

Zibramonda von Carlo Breviglieri Biologischer Hersteller Via Argine Secchia, 20 - Quistello Tel.: 0376-615031 - Fax: 0376-615362 Verfügbarkeit an Obst: - Äpfel (September bis Oktober) - Birnen (August bis Oktober) - Aprikosen (Juni bis Juli) - Kirschen (Mai bis Juni) - Feige (Sommer) - Pfirsiche (Juli bis August) - Pflaumen (August bis Oktober)